Sonntag, Oktober 29

Mein vorletztes Wochenende in Ghana sollte zugleich mein letztes sein, an welchem ich noch einmal aus Accra herauskommen würde. Und so ging es mit einigen Leuten ein weiteres Mal nach Ada Foah.




Abends beim Lagerfeuer am Strand.

Ich kann trotz oder gerade wegen des zweiten Besuchs der Landzunge zwischen dem Meer und dem Volta-Fluss nur sagen, dass es der für mich schönste Strand in Ghana ist. Zwar fehlt es an Komfort wie fließendem Wasser, gutem Essen, anständigenToiletten usw., aber die Landschaft und die Ruhe, die man dort erfährt, machen alles einfach mehr als wett.


Die Ada Foah II - Posse. :)

Auf dem Rückweg zur Tro-Tro-Station. Diesmal zu Fuß.

Lebensmotto in Ghana: "Es ist nie zu spät, wenn man lange lebt". Alles eine Frage der Perspektive. :)

Nach diesem entspannenden Wochenende begann dafür eine um so anstrengendere Arbeitswoche, da die Zeit bzgl. der Umsatzsteuersache drängte, und ich fertig werden wollte. Aber zum Glück oder besser danke meines und Felix' Engagements ging alles gut.

Nun ist es auch nicht mehr lang bis zu meinem Abflug, welchem ich mit gemischten Gefühlen entgegensehe. Einerseits freue ich mich Euch wiederzusehen. Andererseits habe ich mich mittlerweile in Ghana eingelebt, wo es einfach entspannter ist, und auch das Umfeld ist im Moment wirklich Klasse. Aber man soll bekanntlich dann aufhören, wenn es am schönsten ist. Trotzdem schade!

Heute ist mir auch gleich wieder aufgefallen, wie freundlich die normalen Leute in Ghana sein können – na, bis auf die meisten Bedienungen im Restaurant eben ;). Erst hat mir eine Verkäuferin ein paar Chilischoten auf dem Markt geschenkt und dann habe ich eine Frau nach Brot gefragt, woraufhin sie meinte, dass sie keines habe, aber ich mich erstmal hinsetzen solle. Sie ist dann mit meinen 3000 Cedi verschwunden und kam nach einiger Zeit mit einem Brot wieder. Wahnsinn!

Die Wartezeit nutze ich wiederum, um mir von meinem Schemel aus die nähere Umgebung anzuschauen. Nur einige Meter von mir fand eine Begräbnisfeier statt, die man sogar eine Feier nennen kann, da fröhlicher High-Life gespielt wurde. Ich finde eine ganz gute Art jemanden zu veabschieden und sich an die guten Zeiten mit ihm zu erinnern. Life goes on!

Anders als in Deutschland trägt man in Ghana bei einem Begräbnis jedoch nicht nur schwarz. Je nach dem Alter des/ der Verstorbenen trägt man schwarz/ rote traditionelle Kleidung, falls dieser in jungen Jahren gestorben ist. Und je älter die Person geworden ist, desto mehr weiße Kleidung mischt sich unter die Gäste.

Merkwürdig ist jedoch die Sitzordnung der Leute, die draußen auf der Straße unter einem Zeltdach saßen. So waren die Stühle wie in einem Kino in Reihe neben- und hintereinander gestellt mit Blick auf die Wand. Kleine Gesprächsgruppen gab es zwar, aber das war eher die Ausnahme. Allerdings laufen auf diese Weise alle Feierlichkeiten in Ghana ab.


Dass die Ghanaer trotzdem tanzen können, kann man jedoch abends in den verschiedenen Bars beobachten. Und ja, es sieht wirklich alles irgendwie schöner oder besser gesagt „runder“ aus. Aber davon ließen wir „Obrunis“ (weißer Mann) uns nicht abhalten. ;) Mir wurde sogar schon einige Male gesagt, dass ich wie ein schwangerer Fisch tanze...habe aber später mitbekommen, dass das ein Kompliment ist. WOW!

Dieses Wochenende blieb ich dann in Accra. Vorrangig um zu lernen, was aber gestern wegen der Hitze in die Hose ging, da im Büro die Klimaanlage aus war. Außerdem war ich noch etwas müde von den letzten Tagen, an denen ich mich abends noch etwas...äh...umgeschaut hatte. :)

Dafür habe ich am Samstag endlich meine kurzen Schlafanzughosen abgeholt, die meines Erachtens sehr schön geworden sind. Zwar musste ich mehrmals beim Schneider vorbeischauen, da er am morgen nach einer Woche noch nicht einmal angefangen hatte. Aber schließlich war er am Nachmittag fertig, auch wenn er es verpeilt hat, anstelle eines Gummibundes eine Kordel zu machen. Aber was solls, da ich dafür nach erneuter Preisverhandlung einen satten Rabatt bekam. :)

Sören hatte bei dieser Gelegenheit seinen langen Schlafanzug abgeholt, dessen Bild ich nicht vorenthalten will.


Wo gehts zum nächsten Reisfeld? :)

Und wenn es auch schwer zu glauben ist, habe ich mich dennoch erkältet. Hier in Ghana bei 30-40 Grad! Ich glaube, dass es wohl an der Klimaanlage in Christophs ehemaligen Büro gelgen hat, die die Woche als einzige funktionierte. Den „Klimawandel“ habe ich anscheinend nicht so gut verkraftet. :)


Ich wünsche Euch jedenfalls noch einen angenehmem und erkältungsfreien Sonntag!


Donnerstag, Oktober 19

Es ist passiert. Nichtsahnend saß ich letzten Samstag gerade im Papaeys und verdrückte einen Burger, als mich meine Mutter anrief. Ich hätte meine Ergebnisse der schriftlichen Prüfung bekommen. Mein erster Gedanke war: wenigstens bestanden! Aber das ungute Gefühl im Vorfeld bestätigte sich kurz darauf, als sie mir das Ergebnis mitteilte, welches wie erwartet nicht allzu gut ausfiel Irgendwie musste sie aber meine Bitte, es mir doch erst per Mail am Montag zu schicken, überhört haben. Schade allerdings, dass nicht alle das Examen bestanden haben. Es wäre drin gewesen, und eigentlich hatte ich dies auch gehofft. Naja...Sachsen.

Am Nachmittag ging es wie geplant nach Krokobite, wo ich mich wenigstens bei der abendlichen Party mit Livemusik ausreichend ablenken konnte. Ebenfalls trug der nächste folgende Tag am Strand dazu bei, etwas herunterzukommen, auch wenn statt am Bauch auf den Schultern einen massiven Sonnenbrand davontrug. Ich wusste am Dienstag gar nicht, wie ich meine Trommel zum Unterricht bekommen sollte, da ich sie mir nicht wie gewohnt umhängen konnte. Eine sehr unbequeme Angelegenheit. :)


Dienstag Vormittag war ich zusammen mit Juliane und Felix im „Supreme Court“, dem höchsten Gericht in Ghana, und trafen uns mit einer Richterin, die eine Bekannte von einer Frau war, die wiederum Juliane auf einem Workshop getroffen hatte. Alles klar? :)


Der Supreme Court.

Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, durch das Gericht geführt und wieder einer anderen Richterin vorgestellt, die ebenfalls begeistert war, uns kennenzulernen. Wenn ich mir vorstelle, wie das in Deutschland abgelaufen wäre, wenn ein paar Praktikanten einfach im Gericht erscheinen...Anschließend sahen wir uns jeweils einen Teil einer Verhandlung vor dem „Commercial Court“ und dem „Supreme Court“ an. Bei letzterem fiel es sehr schwer, sich ein Grinsen zu verkneifen. Nach britischen Vorbild trugen sowohl die Richter als auch die Anwälte Roben wie in Deutschland und dazu aber die gelockten blonden bzw. weißen Perücken. Schade, dass ich kein Foto machen konnte! Während aber die Perücken der Richter trotz der schwarzen Hautfarbe aber irgendwie noch gingen, auch wenn der eine Richter wie Roberto Blanco mit blondierten Haaren aussah, war es bei den Anwälten völlig daneben. Im Laufe der Jahre der meisten Locken beraubt waren einige Perücken auch noch so zusammengeschrumpft, dass die Anwälte wie Irokesen aussahen. Bei den Frauen hingegen müsst ihr es euch so vorstellen, als würdet ihr einen weißen Topflappen auf den Kopf legen. :)


Soso...Eingang nur für Richter.


Märtyrer der Rechtsstaatlichkeit.

Auch war die Verhandlung etwas lockerer als in Deutschland. So erzählte der Beklagtenvertreter ewig etwas , bis der Vorsitzende Richter ihn genervt unterbrach und ihn setzen ließ. Als daraufhin die Klägerin vortrug, unterbrach der oben genannte Anwalt der Beklagten, eilte wieder nach vorn an das Pult und begann von neuem...scheint jedoch was gebracht zu haben, da das Gericht, bestehend aus fünf Richtern, nach kurzer Unterhaltung am Tisch die Klage abwies. Aber genug gelästert. :)

Nun steht das Lernen für die mündliche Prüfung an, welche bereits Anfang November stattfindet, wobei ich nicht wirklich Zeit oder Gelegenheit, denn die letzten Tages war es echt heiß, und dann fiel noch die Klimaanlage im Büro aus, so dass ich dort nicht einmal Abends noch eine Stunde oder so was machen konnte. Zudem habe ich noch ein kleines Projekt zu machen, welches mich jedenfalls tagsüber ziemlich einspannt. Wird schon!

Eine schöne Woche und bis denn!

Samstag, Oktober 14

Irgendwie habe ich es eben geschafft, mein Milchpulver, das Kakaopulver und Wasser so zu mischen, dass es endlich entfernt nach richtigem Kakao schmeckt! Komme mir etwas wie ein Alchemist aus vergangen Zeiten vor, der versucht Gold zu machen. Aber immerhin hat es jetzt funktioniert und derart gut gelaunt schreibt es sich doch gleich um vieles besser. :)

Letztes Wochenende war sozusagen mein Höhepunkt in Ghana. Zusammen mit Michael und Sören fuhr ich in den Norden Ghanas zum Mole-Nationalpark nahe Tamale, um endlich die großen Tiere zu sehen. Da die Fahrt aufgrund der Entfernung nicht in zwei Tagen zu schaffen ist, bekamen ich und Sören bis Mittwoch frei. Zum Glück, wie wir im Nachhinein feststellten.

So ging es am Samstag mit dem STC-Bus, welcher auf dieser langen Reise einem Tro-Tro aus Platzgründen aber auch der Fahrweise der Fahrer wegen vorzuziehen ist, zunächst nach Tamale. Geplante Abfahrtzeit war um 9 Uhr und ihr ahnt es schon. Aufgrund Verspätung und einer angeblichen Reparatur – dabei fuhren ständig leere Busse an uns vorbei - fuhren wir tatsächlich erst vier Stunden später aus Accra ab. Dabei waren wir wegen des Eincheckens, das wir uns mangels großen Gepäcks hätten sparen können, schon um 8 Uhr am Busbahnhof der STC, einer privaten Busgesellschaft. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nämlich bis auf einen Zug, der aber zu einen seeehr langsam ist und zum anderen nicht von Accra nach Tamale fährt, nicht.


STC-Busstaion in Accra

Die folgende Busfahrt, nur unterbrochen durch eine kurze Pause alle zwei Stunden, gestaltete sich so, wie man es von ewig langen Busreisen kennt. Erst macht Laune, da man aus dem Fenster schauen und miteinander quatschen kann. Dann beginnt es unangenehm zu werden, da die Sitze anscheinend so gebaut wurden, dass eine bequeme Sitz- bzw. Schlafposition auf Dauer unnmöglich ist! Zwischendurch erschien mir dadurch etwa der Boden des Busses derart verführerisch, dass ih nahe daran war, mich einfach dort hinzulegen. Natürlich nachdem ich irgendwie zwischen den ganzen Taschen und Beuteln Platz gefunden hätte. Schließlich ist man nach einigen Stunden aber so müde, dass man in den absurdesten Stellungen einschläft oder jedenfalls vor sich hindöst.

Etwa 15 Stunden später kamen wir schließlich in Tamale an, wo wir uns zusammen mit ein paar Briten ein Tro-Tro für einen horrenden Preis nahmen, um die letzten drei Stunden nach Mole zurückzulegen.

Dort nahmen wir uns zu dritt ein Zimmer und verbrachten den restlichen Tag mehr oder weniger mit schlafen, da Erholung im Bus nicht wirklich möglich war, und wir auch schon seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen waren.

Dafür ging es am nächsten Morgen auf eine zweistündige Wanderung, in der wir neben Warzenschweinen, Affen und Antilopen endlich Elefanten zu sehen bekamen! Leider durften wir aus Sicherheitsgründen nicht allzu nah an sie heran, was ich sehr schade fand.


Blick von der aussichtsplattform beim Hotel.


Suchbild mit Elefant. :)


Antilopen im Morgennebel.


Warzenschweine.

Nach einem Mittagsschläfchen sollte es dann zu einer zweiten Wanderung gehen. Und zwar diesmal mit einem Jeep. Diesen hatten eine Gruppe Schweizer bestellt, die wir auf dem morgendlichen Spaziergang kennengelernt hatten, da wir in einer Gruppe waren. Ich hätte besser schreiben sollen, dass sie geäußert hatten, dass sie eine Jeepsafari unternehmen wollten. Denn als sie am Nachmittag den Führer darauf ansprachen, wo denn der Jeep bleibe, meinten die Ghanaer, dass sie gedacht hätten, dass die Schweitzer selbst mit einem Wagen kommen würden. Hallo! Eine dümmere Ausrede geht ja wohl nicht. Woher sollten die Schweizer, die mit dem Tro-Tro gereist kamen, einen Wagen haben? Auch wenn die Ghanaer ein wirklich fröhliches und freundliches Völkchen sind, könnte ich manchmal aufgrund ihrer unbekümmerten und teilweise kindlichen Art austicken.

So etwa, wie es mir letztens beim Mittagessen passiert ist. Es gab neben anderen Sachen Fleischbällchen mit Nudeln, welche neben mir noch andere gewählt hatten. Dazu bestellte ich noch eine Soße aus Bohnen. Als das Essen serviert wurde, bekam Maria drei und ich zwei Fleischbällchen. Na gut, darüber muss man sich vielleicht nicht aufregen. Aber als ich fragte, ob ich noch eins bekommen könnte bzw. warum ich nur zwei bekommen habe, da meinte die Kellnerin, was ich hätte, denn immerhin sei in den Bohnen doch genug Protein, so dass zwei Bällchen für mich völlig ausreichen würden. Kann ja wohl nicht war sein. Sonst pingelig und dann sowas! Hinterher stellte sich heraus, dass die Bällchen aus seien, was ich als Antwort so hingenommen hätte. Aber so was dämliches wie ihre Begründung - denn sie meinte es nicht mal scherzhaft! Ebenso als in einem Restaurant, als ich für 15.000 Cedi (1,40 Euro) mit einem 20.000 Cedi-Schein bezahlen wollte, und der Kellner meinte, dass er nicht wechseln könnte. In einem Restaurant! Als ich meinte, dass er doch auch in einem der Kioske auf der Straße nachfragen könnte, ging es dann plötzlich! Ich meine, es soll nicht in Lästerei ausarten, aber manchmal komme ich nicht ganz mit der Art der Ghanaer klar, da ich das Gefühl habe, dass man versucht, einen zu veralbern, und dass nicht mal zu verstecken versucht...dabei rege ich mich nicht einmal darüber auf, dass es hin und wieder passiert, dass man etwas bestellt, und nach einer Ewigkeit die Kellnerin kommt und meint, es wäre aus und das ganze wiederholt sich dann bis zu drei mal...aber genug. Denn dies ist bis auf letzteres nicht der Regelfall. Außerdem bin ich etwas abgeschweift. :)


Schließlich unternahmen wir wieder eine Wanderung zu Fuß auf einer anderen Route, die sehr, sehr schön war, auch wenn mir hinterher das Shirt am Körper klebte. Man brauchte im Prinzip nur die Kamera hinhalten und den Auslöser drücken, um ein wunderschönes Landschaftsbild zu bekommen. Genial!


Mal von nahem.


Fußvergleich.


Frucht vom Affenbrotbaum.

Am nächsten Morgen ging es dann um 4 Uhr mit dem regulären Kleinbus, der aber nur einmal am Tag in die Richtung fährt, für knapp ein fünftel des Preises der Tro-Tro-Fahrt nach Mole zurück nach Tamale, wo wir ohne Aufenthalt in den STC-Bus nach Kumasi stiegen, welches wir nach 7 Stunden fahrt erreichten. Dort übernachteten wir in einem kleinem Hotel in dem billigsten Zimmer, welches wir kriegen konnten, da wir insgesamt finanziell doch sehr angeschlagen waren. So war die Toilette und Dusche in der Art einer amerikanischen Wohnküche integriert. Wenigstens war direkt vor der Örtlichkeit noch eine Trennwand, denn so ganz ohne ist doch etwas zu ungewohnt. :)


Kumasi

Nach einem Rundgang durch den Stadtkern und einem flüchtigen Blick auf den Markt, welcher ähnlich groß wie der Makola-Markt ist, aber wesentlich strukturierter wirkt, ging es mit dem STC-Bus richtung Accra, wo wir nach 6stündiger Fahrt – unterbrochen durch einen kleinen Motorschaden – ankamen, obwohl die Strecke nur etwa halb so lang ist wie die Distanz Tamale-Kumasi. Aber aufgrund des Verkehrs und der schlechten Straße dauert es eben fast genauso lang war.


Kumasi, im Hintergrund der Markt.


Blick von oben aus einem Cafe.

Ob ich nochmal nach Mole fahren würde, kann ich angesichts der Fahrtdauer nicht sagen. Am besten man legt noch einen Zwischenstop bei einem anderen Ort ein, da sonst die Fahrt einfach zu anstrengend ist und zu viel Zeit raubt, auch wenn Mole selbst wirklich wunderbar ist.

Ansonsten besuchten wir die Woche davor die Universität in Legon, welche nicht weit von Accra entfernt ist, um im dortigen Bücherladen Bücher für das Projekt einzukaufen. Denn richtig Bücherläden mit einem großen Angebot gibt es in Accra leider nicht. Selbst der Shop der Uni war nicht besonders groß! Dafür ist das Gelände um so größer. Der ganze Campus gleicht einer kleinen Stadt mit Banken, weiteren Läden, Unterkünften usw.. Eindrucksvoll! Leider hatten wir nicht die Zeit, um die Hörsäle oder nur die Bibliothek (eine für alle Studenten und nicht größer als unser Juridicum) anzuschauen.

Da mich an dieser Stelle mein Gedächtnis hinsichtlich weiterer Geschichten im Stich lässt, verabschiede ich mich und wünsche ein erholsames Wochenende!

Mittwoch, Oktober 4

Endlich! Nach all den Tränen und dem ständigen Zittern und Bangen sind sie mit 2monatiger Verspätung eingetroffen – meine Visitenkarten! Nicht dass ich sie bisher allzu häufig gebraucht hätte. Aber da wirklich jeder Visitenkarten hat, und selbst für die Praktikanten, die demnächst kommen, welche in meinem Schreibtisch liegen, hat sich bei mir so ein eigenartiges Gefühl eingestellt... ;)


Yeeehaw!

Aber abgesehen davon ist in den letzten zwei Wochen doch mehr und vor allem für Euch wohl interessanteres geschehen.

Vorletztes Wochenende fanden keine großen Ausflüge statt, so dass es auch eher ruhig verlief. Ich nutzte den Samstagvormittag, um mein Blog weiterzuschreiben und am Nachmittag stand ein weiterer Besuch des Makolamarktes an, der zu einem kleinen Spaziergang durch Accra ausgedehnt wurde. Zwar hielt ich vornehmlich Ausschau nach Stoffen, um mir eventuell einen Anzug schneidern zu lassen. Zwar fand ich keinen passenden Stoff, aber dafür kaufte ich mir nach zähen Verhandlungen einen alten aber ungebrauchten Toaster für ganze 100.000 Cedis! So habe ich nun die Möglichkeit, auch etwas festeres Brot essen zu können.


Ein anderer Teil des Makola-Marktes.


Blick auf Accra von einem Restaurant aus direkt am Meer.


Der "Independance Arch" - das Unabhängigkeitsdenkmal Ghanas!


Das Nationaltheater...war noch NIE eine Veranstaltung!


Omlett mit Brot direkt von der Straße...lecker!

Sonntag ging es dann in das Artcentre in Accra, wo ich mir endlich eine Trommel gekauft habe, nachdem ich mir bisher für meine Trommelstunde eine ausleihen musste. Ach ja, vielleicht habe ich es noch gar nicht erwähnt: Ich nehme tatsächlich Unterricht im Trommeln. Wie ich als Grobmotoriker damit zurecht komme, lasse ich aber mal lieber außen vor. :)

Geholfen hat mir dabei Johanna, die dort jemanden kannte, so dass ich auch nicht ewig um den Preis feilschen musste, sondern nur das zahlen brauchte, was sie damals für ihre bezahlt hatte.

Anschließend unternahmen wir noch einen Rundgang durch das restliche Centre mit all den nervigen Verkäufern. Kein Vergleich zu Aburi, besonders da die Preise dort auch viel niedriger waren.


Johanna hatte sich dann eine alte, geschnitzte kleine Tür gekauft. Dass wir dafür ca. 2 Stunden verhandeln mussten, da der Verkäufer – um die 40! - ständig zu seinem Vater rannte , um auf unsere Preisvorstellungen reagieren zu können, lasse ich dahin stehen. Besonders als nach einem guten Preis, den der Verkäufer schon bestätigte, der Vater angewackelt kam, den Preis wieder um 100.000 Cedis erhöhte und alles von vorn begann...



Letztes Wochenende ging es dafür wieder etwas weiter von Accra weg. Zusammen mit Heiko fuhr ich nach Gomoa Fettah. Dieses kleine Dorf liegt in der Nähe Accras auf der Straße nach Cape Coast.

Dort angekommen wunderten wir uns zunächst über die vielen in traditionellen und schwarz und rot gekleideten Leute, bis wir mitbekamen, dass es sich um eine Trauerfeier handelte.

Hier merkte man wieder, dass weiße Leute doch eher selten vorbeikommen, denn wie bei einer Militärparade drehten alle die Köpfe, sobald wir an den Leuten vorbeigingen, und starrten uns an. Komisches Gefühl.


Unsere Strandanlage.

Da das Wetter nicht gerade zum Baden einlud, verbrachten wir den nächsten restlichen Nachmittag und folgenden Vormittag mit einem Spaziergang am Strand und dem Sammeln von Muscheln. Ich war dabei total überrascht, dass Heiko gar nicht aufhören konnte und die Muscheln gleich kiloweise mitnahm. Dies erklärte er aber damit, dass seine Freundin gern daraus etwas bastele. :)



Tatsächlich am Strand gefunden!


Muscheln!


Auf dem Rückweg trafen wir ein älteres Ehepaar, Marry und Rob, wobei er britisch und sie ghanaisch ist, aber schon seit 20 Jahren in Großbritannien lebt. Sie boten uns an, uns nach Accra zu mitzunehmen, da sie ebenfalls dort wohnten, woraufhin wir nicht nein sagten und einstiegen. So erfuhren wir, dass beide jeweils für ein halbes Jahr in Goßbritannien und in Ghana sind und in der Nähe vom Krokobitey Beach ein Hotel nahe des Meeres bauen, welches wir uns anschauten. Bei dieser Gelegenheit zeigten sie uns noch eine andere Strandanlage, die gar nicht so weit entfernt von Krokobitey lag. Vielleicht komme ich noch dazu, dort für einen Tag hinzufahren.


Vorgänger der heutigen Tro-Tros.

Anschließend gab's Tee und Kuchen bei ihnen zu hause. Dort erzählten sie uns, dass sie mit der Mutter und einer früheren Schwiegermutter zusammenleben, welche aber nicht miteinander reden können, da die eine nur Ga und die andere nur Twi spricht. Vielleicht gibt’s deshalb nicht ganz so oft Streit. ;)

Ebenfalls in dem Haus lebt die sechsjährige Enkeltochter von Marry, die für die nächsten drei Jahre in Ghana leben wird, da ihre Mutter studiert. Sie geht in Accra in eine Privatschule. Die Lehrer unter Euch werden vielleicht sehnsüchtig aufseufzen. Aber ich war völlig erstaunt, als ich hörte, dass dort wie bei den staatlichen Schulen noch der Rohrstock geschwungen wird! Und das, wo die Eltern wie in diesem Fall 250 Dollar bezahlen! Allerdings wird dies von den Eltern als völlig normal angesehen.

Am Abend wurde im Compound von den verschiedenen Wgs eine Kleinigkeit gekocht und am Ende von allen gemeinsam gegessen. Lecker! Ich hatte in der Nacht nur ein paar Probleme mit dem Schlafen, da ich wohl etwas zu viel gegessen hatte. :)

Heiko, Rebecca, die sich uns noch anschloss, und ich machten Toast Hawaii ohne Fleisch (Heiko ist Vegetarier, wie einige im Compound) sowie Cremepudding, dessen Pulver Felix, ein neuer RMSPraktikant rechtzeitig aus Deutschland mitgebracht hatte. Ging weg wie warme Semmeln!

Zur Vorbereitung mussten Heiko und ich jedoch Ananas kaufen. Bei dieser Gelegenheit stellte ich fest, dass nicht nur wir Weißen Probleme haben die Schwarzen auseinanderzuhalten, wenn man sie nicht kennt, sonder das ganze auf Gegenseitigkeit beruht.

So wollten wir Ananas kaufen, wobei der Preis uns aber zu hoch war, und wir schließlich weitergingen. Nach einer halben Stunde intensiven Suchens stellten wir aber leider fest, dass der Typ der einzigste Verkäufer in der näheren Umgebung war. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie das ist, wenn man jetzt zu demjenigen zurückgehen und nach Ananas fragen muss. Und nun kommt's: Auf Heikos Idee hin, habe ich einfach meine Mütze abgenommen und bin allein zu dem Verkäufer hin. Und er hat mich nicht wiedererkannt! Ihr versteht, vorher zwei Weiße und einer mit Mütze, jetzt ein Weißer ohne Mütze... Wahnsinn, denn so herum habe ich das ganze noch nie gesehen! ;) Zwar begannen das Gefeilsche um die Ananas erneut, aber ich konnte ihn wenigstens auf den Preis runterhandeln, den er schon zuvor als letztes zahlen wollte.

Bis denn