Donnerstag, Oktober 19

Es ist passiert. Nichtsahnend saß ich letzten Samstag gerade im Papaeys und verdrückte einen Burger, als mich meine Mutter anrief. Ich hätte meine Ergebnisse der schriftlichen Prüfung bekommen. Mein erster Gedanke war: wenigstens bestanden! Aber das ungute Gefühl im Vorfeld bestätigte sich kurz darauf, als sie mir das Ergebnis mitteilte, welches wie erwartet nicht allzu gut ausfiel Irgendwie musste sie aber meine Bitte, es mir doch erst per Mail am Montag zu schicken, überhört haben. Schade allerdings, dass nicht alle das Examen bestanden haben. Es wäre drin gewesen, und eigentlich hatte ich dies auch gehofft. Naja...Sachsen.

Am Nachmittag ging es wie geplant nach Krokobite, wo ich mich wenigstens bei der abendlichen Party mit Livemusik ausreichend ablenken konnte. Ebenfalls trug der nächste folgende Tag am Strand dazu bei, etwas herunterzukommen, auch wenn statt am Bauch auf den Schultern einen massiven Sonnenbrand davontrug. Ich wusste am Dienstag gar nicht, wie ich meine Trommel zum Unterricht bekommen sollte, da ich sie mir nicht wie gewohnt umhängen konnte. Eine sehr unbequeme Angelegenheit. :)


Dienstag Vormittag war ich zusammen mit Juliane und Felix im „Supreme Court“, dem höchsten Gericht in Ghana, und trafen uns mit einer Richterin, die eine Bekannte von einer Frau war, die wiederum Juliane auf einem Workshop getroffen hatte. Alles klar? :)


Der Supreme Court.

Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, durch das Gericht geführt und wieder einer anderen Richterin vorgestellt, die ebenfalls begeistert war, uns kennenzulernen. Wenn ich mir vorstelle, wie das in Deutschland abgelaufen wäre, wenn ein paar Praktikanten einfach im Gericht erscheinen...Anschließend sahen wir uns jeweils einen Teil einer Verhandlung vor dem „Commercial Court“ und dem „Supreme Court“ an. Bei letzterem fiel es sehr schwer, sich ein Grinsen zu verkneifen. Nach britischen Vorbild trugen sowohl die Richter als auch die Anwälte Roben wie in Deutschland und dazu aber die gelockten blonden bzw. weißen Perücken. Schade, dass ich kein Foto machen konnte! Während aber die Perücken der Richter trotz der schwarzen Hautfarbe aber irgendwie noch gingen, auch wenn der eine Richter wie Roberto Blanco mit blondierten Haaren aussah, war es bei den Anwälten völlig daneben. Im Laufe der Jahre der meisten Locken beraubt waren einige Perücken auch noch so zusammengeschrumpft, dass die Anwälte wie Irokesen aussahen. Bei den Frauen hingegen müsst ihr es euch so vorstellen, als würdet ihr einen weißen Topflappen auf den Kopf legen. :)


Soso...Eingang nur für Richter.


Märtyrer der Rechtsstaatlichkeit.

Auch war die Verhandlung etwas lockerer als in Deutschland. So erzählte der Beklagtenvertreter ewig etwas , bis der Vorsitzende Richter ihn genervt unterbrach und ihn setzen ließ. Als daraufhin die Klägerin vortrug, unterbrach der oben genannte Anwalt der Beklagten, eilte wieder nach vorn an das Pult und begann von neuem...scheint jedoch was gebracht zu haben, da das Gericht, bestehend aus fünf Richtern, nach kurzer Unterhaltung am Tisch die Klage abwies. Aber genug gelästert. :)

Nun steht das Lernen für die mündliche Prüfung an, welche bereits Anfang November stattfindet, wobei ich nicht wirklich Zeit oder Gelegenheit, denn die letzten Tages war es echt heiß, und dann fiel noch die Klimaanlage im Büro aus, so dass ich dort nicht einmal Abends noch eine Stunde oder so was machen konnte. Zudem habe ich noch ein kleines Projekt zu machen, welches mich jedenfalls tagsüber ziemlich einspannt. Wird schon!

Eine schöne Woche und bis denn!