Samstag, Oktober 14

Irgendwie habe ich es eben geschafft, mein Milchpulver, das Kakaopulver und Wasser so zu mischen, dass es endlich entfernt nach richtigem Kakao schmeckt! Komme mir etwas wie ein Alchemist aus vergangen Zeiten vor, der versucht Gold zu machen. Aber immerhin hat es jetzt funktioniert und derart gut gelaunt schreibt es sich doch gleich um vieles besser. :)

Letztes Wochenende war sozusagen mein Höhepunkt in Ghana. Zusammen mit Michael und Sören fuhr ich in den Norden Ghanas zum Mole-Nationalpark nahe Tamale, um endlich die großen Tiere zu sehen. Da die Fahrt aufgrund der Entfernung nicht in zwei Tagen zu schaffen ist, bekamen ich und Sören bis Mittwoch frei. Zum Glück, wie wir im Nachhinein feststellten.

So ging es am Samstag mit dem STC-Bus, welcher auf dieser langen Reise einem Tro-Tro aus Platzgründen aber auch der Fahrweise der Fahrer wegen vorzuziehen ist, zunächst nach Tamale. Geplante Abfahrtzeit war um 9 Uhr und ihr ahnt es schon. Aufgrund Verspätung und einer angeblichen Reparatur – dabei fuhren ständig leere Busse an uns vorbei - fuhren wir tatsächlich erst vier Stunden später aus Accra ab. Dabei waren wir wegen des Eincheckens, das wir uns mangels großen Gepäcks hätten sparen können, schon um 8 Uhr am Busbahnhof der STC, einer privaten Busgesellschaft. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nämlich bis auf einen Zug, der aber zu einen seeehr langsam ist und zum anderen nicht von Accra nach Tamale fährt, nicht.


STC-Busstaion in Accra

Die folgende Busfahrt, nur unterbrochen durch eine kurze Pause alle zwei Stunden, gestaltete sich so, wie man es von ewig langen Busreisen kennt. Erst macht Laune, da man aus dem Fenster schauen und miteinander quatschen kann. Dann beginnt es unangenehm zu werden, da die Sitze anscheinend so gebaut wurden, dass eine bequeme Sitz- bzw. Schlafposition auf Dauer unnmöglich ist! Zwischendurch erschien mir dadurch etwa der Boden des Busses derart verführerisch, dass ih nahe daran war, mich einfach dort hinzulegen. Natürlich nachdem ich irgendwie zwischen den ganzen Taschen und Beuteln Platz gefunden hätte. Schließlich ist man nach einigen Stunden aber so müde, dass man in den absurdesten Stellungen einschläft oder jedenfalls vor sich hindöst.

Etwa 15 Stunden später kamen wir schließlich in Tamale an, wo wir uns zusammen mit ein paar Briten ein Tro-Tro für einen horrenden Preis nahmen, um die letzten drei Stunden nach Mole zurückzulegen.

Dort nahmen wir uns zu dritt ein Zimmer und verbrachten den restlichen Tag mehr oder weniger mit schlafen, da Erholung im Bus nicht wirklich möglich war, und wir auch schon seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen waren.

Dafür ging es am nächsten Morgen auf eine zweistündige Wanderung, in der wir neben Warzenschweinen, Affen und Antilopen endlich Elefanten zu sehen bekamen! Leider durften wir aus Sicherheitsgründen nicht allzu nah an sie heran, was ich sehr schade fand.


Blick von der aussichtsplattform beim Hotel.


Suchbild mit Elefant. :)


Antilopen im Morgennebel.


Warzenschweine.

Nach einem Mittagsschläfchen sollte es dann zu einer zweiten Wanderung gehen. Und zwar diesmal mit einem Jeep. Diesen hatten eine Gruppe Schweizer bestellt, die wir auf dem morgendlichen Spaziergang kennengelernt hatten, da wir in einer Gruppe waren. Ich hätte besser schreiben sollen, dass sie geäußert hatten, dass sie eine Jeepsafari unternehmen wollten. Denn als sie am Nachmittag den Führer darauf ansprachen, wo denn der Jeep bleibe, meinten die Ghanaer, dass sie gedacht hätten, dass die Schweitzer selbst mit einem Wagen kommen würden. Hallo! Eine dümmere Ausrede geht ja wohl nicht. Woher sollten die Schweizer, die mit dem Tro-Tro gereist kamen, einen Wagen haben? Auch wenn die Ghanaer ein wirklich fröhliches und freundliches Völkchen sind, könnte ich manchmal aufgrund ihrer unbekümmerten und teilweise kindlichen Art austicken.

So etwa, wie es mir letztens beim Mittagessen passiert ist. Es gab neben anderen Sachen Fleischbällchen mit Nudeln, welche neben mir noch andere gewählt hatten. Dazu bestellte ich noch eine Soße aus Bohnen. Als das Essen serviert wurde, bekam Maria drei und ich zwei Fleischbällchen. Na gut, darüber muss man sich vielleicht nicht aufregen. Aber als ich fragte, ob ich noch eins bekommen könnte bzw. warum ich nur zwei bekommen habe, da meinte die Kellnerin, was ich hätte, denn immerhin sei in den Bohnen doch genug Protein, so dass zwei Bällchen für mich völlig ausreichen würden. Kann ja wohl nicht war sein. Sonst pingelig und dann sowas! Hinterher stellte sich heraus, dass die Bällchen aus seien, was ich als Antwort so hingenommen hätte. Aber so was dämliches wie ihre Begründung - denn sie meinte es nicht mal scherzhaft! Ebenso als in einem Restaurant, als ich für 15.000 Cedi (1,40 Euro) mit einem 20.000 Cedi-Schein bezahlen wollte, und der Kellner meinte, dass er nicht wechseln könnte. In einem Restaurant! Als ich meinte, dass er doch auch in einem der Kioske auf der Straße nachfragen könnte, ging es dann plötzlich! Ich meine, es soll nicht in Lästerei ausarten, aber manchmal komme ich nicht ganz mit der Art der Ghanaer klar, da ich das Gefühl habe, dass man versucht, einen zu veralbern, und dass nicht mal zu verstecken versucht...dabei rege ich mich nicht einmal darüber auf, dass es hin und wieder passiert, dass man etwas bestellt, und nach einer Ewigkeit die Kellnerin kommt und meint, es wäre aus und das ganze wiederholt sich dann bis zu drei mal...aber genug. Denn dies ist bis auf letzteres nicht der Regelfall. Außerdem bin ich etwas abgeschweift. :)


Schließlich unternahmen wir wieder eine Wanderung zu Fuß auf einer anderen Route, die sehr, sehr schön war, auch wenn mir hinterher das Shirt am Körper klebte. Man brauchte im Prinzip nur die Kamera hinhalten und den Auslöser drücken, um ein wunderschönes Landschaftsbild zu bekommen. Genial!


Mal von nahem.


Fußvergleich.


Frucht vom Affenbrotbaum.

Am nächsten Morgen ging es dann um 4 Uhr mit dem regulären Kleinbus, der aber nur einmal am Tag in die Richtung fährt, für knapp ein fünftel des Preises der Tro-Tro-Fahrt nach Mole zurück nach Tamale, wo wir ohne Aufenthalt in den STC-Bus nach Kumasi stiegen, welches wir nach 7 Stunden fahrt erreichten. Dort übernachteten wir in einem kleinem Hotel in dem billigsten Zimmer, welches wir kriegen konnten, da wir insgesamt finanziell doch sehr angeschlagen waren. So war die Toilette und Dusche in der Art einer amerikanischen Wohnküche integriert. Wenigstens war direkt vor der Örtlichkeit noch eine Trennwand, denn so ganz ohne ist doch etwas zu ungewohnt. :)


Kumasi

Nach einem Rundgang durch den Stadtkern und einem flüchtigen Blick auf den Markt, welcher ähnlich groß wie der Makola-Markt ist, aber wesentlich strukturierter wirkt, ging es mit dem STC-Bus richtung Accra, wo wir nach 6stündiger Fahrt – unterbrochen durch einen kleinen Motorschaden – ankamen, obwohl die Strecke nur etwa halb so lang ist wie die Distanz Tamale-Kumasi. Aber aufgrund des Verkehrs und der schlechten Straße dauert es eben fast genauso lang war.


Kumasi, im Hintergrund der Markt.


Blick von oben aus einem Cafe.

Ob ich nochmal nach Mole fahren würde, kann ich angesichts der Fahrtdauer nicht sagen. Am besten man legt noch einen Zwischenstop bei einem anderen Ort ein, da sonst die Fahrt einfach zu anstrengend ist und zu viel Zeit raubt, auch wenn Mole selbst wirklich wunderbar ist.

Ansonsten besuchten wir die Woche davor die Universität in Legon, welche nicht weit von Accra entfernt ist, um im dortigen Bücherladen Bücher für das Projekt einzukaufen. Denn richtig Bücherläden mit einem großen Angebot gibt es in Accra leider nicht. Selbst der Shop der Uni war nicht besonders groß! Dafür ist das Gelände um so größer. Der ganze Campus gleicht einer kleinen Stadt mit Banken, weiteren Läden, Unterkünften usw.. Eindrucksvoll! Leider hatten wir nicht die Zeit, um die Hörsäle oder nur die Bibliothek (eine für alle Studenten und nicht größer als unser Juridicum) anzuschauen.

Da mich an dieser Stelle mein Gedächtnis hinsichtlich weiterer Geschichten im Stich lässt, verabschiede ich mich und wünsche ein erholsames Wochenende!