Donnerstag, August 31

Das kann ja nicht war sein, schon wieder Stromausfall, wenn ich am Rechner sitze! Zumindest weiss ich jetzt, dass mein zwischengeschalteter Akku nicht funktioniert.


Am Montag habe ich Kofi zum Flughafen begleitet, wo er einen Gast seiner Schwester – sie vermietet auch Räume ihres wesentlich größeren Hauses – abholen wollte. Allerdings wusste er nur, dass es sich um einen Deutschen handelt, der schlecht englisch kann, und für die nächsten drei Wochen in Ghana bleiben will. Außerdem zeigte mir Kofi einen Zettel, wo den Namen, soweit er ihn verstanden hatte, aufgeschrieben hatte. Nun ja, unabhängig von Kofis' Schrift, sah es für mich jedenfalls sehr nach Aleksejai Schida Epiie oder so aus. In der Annahme, dass es sich wohl um einen Deutsch-Russen handeln müsste, kramte ich also in meinem Hinterkopf nach lang nicht mehr gebrauchten Russichvokabeln, während wir mit dem Taxi zum Flughafen fuhren. Nach einem kleinen Zwischenstop an der Tankstelle, der sich etwas verlängerte, da das Taxi nicht mehr anspringen wollte, reihten wir uns am Flughafen in die wartende Menschenmenge ein.

Passagiere kamen und gingen, und der Strom neu ankommender Gäste versiegte immer mehr und mehr, ohne dass wir denjenigen getroffen haben. Langsam wurde ich ungeduldig, und auch Kofi zeigte erste Anzeichen von Nervosität. Plötzlich klingelte das Handy und mit einiger Erleichterung stellten wir fest, dass es sich um den Gast handelt. Nachdem wir uns umblickten und auch durch winken mit der Hand auf uns aufmerksam machten, haben wir ihn dann endlich gefunden! Anschließend wurde uns aber auch klar, dass wir gleich mehrere Fehler gemacht hatten:

Zwar handelte es sich wirklich um einen Deutschen. Allerdings heißt er Maximilian Schneider Epi (-irgendwas, schon wieder vergessen), berlinert etwas mehr und...ist schwarz! Damit hatte ich ehrlich gesagt nun gar nicht gerechnet, da er im Vorfeld gar nichts drüber gesagt hat. Ich weiß, einige mögen denken, warum auch, aber für mich ist ein Deutscher ohne weiteren Zusatz erstmal weiß, jedenfalls, wenn ich auf dem Flughafen auf ihn warte!

Anschließend ging es zur Schwester, wo Epi, wie er genannt wird, sein zimmer bekam und gleich instruiert wurde, keine Mädel aus der unmittelbaren Nachbarschaft mitzunehmen, Kondome zu benutzen, und diese nicht ins Klo zu spülen habe. :) Ansonsten war die Schwester aber sehr nett, wobei die Hausarbeit von einem angestellten komplett erledigt wird, der auch im Haus wohnt.

Lustigerweise hatte Epi bereits in Deutschland im Internet ein Mädel aus Ghana, aber Liberianerin, kennengelernt. Diese ließ es sich dann nicht nehmen, noch um ein Uhr nachts vorbeizukommen, wo sie erstmal von der Schwester inspiziert und für im Moment „gut“ befunden wurde. Ihr wisst ja von dem gesunden Mißtrauen der Ghanaer Liberianern und Nigerianern (im besonderen) gegenüber, wobei letzteres vielleicht begründet sein mag. Wer weiß... Soweit ich weiß, blieb sie dann auch über Nacht. ;)


Heute hole ich nun selbst jemanden vom Flughafen ab. Und zwar handelt es sich dabei um Sören, den neuen Praktikanten. Aber wenigstens habe ich ein Foto! Er kommt gegen Mittag an, so dass ich den Fahrer der GTZ RMS nehmen kann, was sich ganz gut trifft. Denn heute muss ich in den vielzitierten Compound umziehen, da Kofi einen Stammgast erwartet, der in meinem Zimmer (das größere) für die nächsten Wochen bleibt. :( So kann ich gleich mein Gepäck nach einem kleinen Umweg über Kofi's Haus mitnehmen. Und habe wieder Taxigeld gespart! ;)

Mal sehen, wie es ich im Compound so lebt?!


Bis denn

Montag, August 28

Ich hätte es bisher nicht für möglich gehalten, dass man zwei Extreme während eines Wochenendes noch einmal steigern kann. Aber es geht tatsächlich! Vielleicht werden euch meine ständigen „Superlative“ auch irgendwann einmal nerven, aber ich habe das Gefühl, dass es mit jedem weiteren Wochenendtrip immer eindrucksvoller wird...wo soll das nur enden? :)

Nach der Abfahrt aus Accra am Freitag Spätnachmittag kam ich mit einigen anderen Leuten aus dem Compound nach einer etwa 1 ½ stündigen Fahrt mit dem Tro-Troin Ada Foah an. Über die Enge im Tro-Tro will ich mich aber diesmal nicht auslassen. Ich denke, dass könnt ihr euch mittlerweile selbst ganz gut vorstellen. :)

Ada Foah liegt an einer Stelle, wo der Voltafluss in das Meer mündet, und es daher viele kleine Inseln und Sandbänke gibt. Dort angekommen wurden wir von Johnny abgeholt, der uns mit seinem Boot über den Voltafluss auf eine dort gelegene Landzunge brachte.



Dort erwartete uns ein unglaubliches Bild: Während wir auf dem Boot durch das nur vom Sternenlicht erhellte Wasser pflügten, tauchte plötzlich in der Ferne ein heller Fleck auf, der sich schließlich als am Ufer endzündetes flackerndes Lagerfeuer der Praktikanten entpuppte, die schon voraus gereist waren. Wahnsinn!

Die Landzunge selbst ist aber schon einfach genial. Während wir uns von der Flussseite her näherten und schließlich das Ufer betraten, konnte man in der Ferne schon das Meer rauschen hören, welches sich auf der anderen Seite der Landzunge nur ca. 200M entfernt befand!

Untergebracht waren wir in wirklich einfachen Hütten aus Palmenblättern, in denen nur ein Bett auf bloßem Sand stand. Die Duschmöglichkeiten bestanden aus einer kleinen gemauerten Nischen, für die man das Wasser selbst aus dem Fluss hätten holen müssen. Warum also da duschen, wenn man doch nur 15m von der Hütte zum Strand laufen und im Fluss baden kann! Oder einfach die 200m Sand zur anderen Seiten überqueren und in den Wellen den Staub abwaschen...
Was die Toiletten angeht...das spare ich mir fürs Bild auf. :)


Unsere Unterkünfte


Ein Dorf in der Nähe


Na, was kann das wohl sein? :)

Das Wochenende bestand dann im folgenden nur aus Entspannung pur am Strand, in der Sonne und am abendlichen Lagerfeuer mit einem Bier in der Hand...einfach herrlich, um den Alltag hinter sich zu lassen!


Was für eine Aussicht!

Am Sonntag kauften ein paar Leute sogar frischen Fisch von den Fischern am Meer, die man am Morgen bei dem Einholen der Netze beobachten konnte und grillten diesen auf dem Rost...na gut, nichts für mich, aber verhungern musste man auch als Vegetarier, von denen es unter den Praktikanten einige gibt, oder Nichtfischesser nicht, da zumindest für Reis und Eier gesorgt war. Am Samstag gab es sogar Eierkuchen zum Frühstück, auch wenn sich ein leichter Fischgeschmack nicht leugnen ließ, und es eeeeeeewig dauerte. Aber wie soll eine Frau in einer Pfanne auch gleich mehr als 20 Bäuche auf einmal füllen können. :)



Beim morgendlichen Frühstück


Sehr hohes Einschlafpotenzial. Zum Lesen wissenschaftlicher Texte nur bedingt geeignet. :)


Bis bald

Donnerstag, August 24

Sonnenbrand! Auch wenn ich es angesichts des meist bewölkten Himmels nicht für möglich gehalten hätte, ist es doch passsiert.

Aber beginnen wir lieber von vorn!

Samstag bin ich mit Moritz von Accra mit dem Tro-Tro aus westlich nach Cape Coast gefahren, wobei sich bereits schon die Fahrt als solches abenteuerlich gestaltete. Da ich nur wusste, dass die Tro-Tros vom Kaneshi-Markt aus fuhren, sind wir erstmal dorthin gefahren, um dann weiterzusehen. Allerdings erstreckt sich der Markt über eine weite Strecke, so dass wir uns durchfragen mussten, was irgendwie damit endete, dass ich am Arm gepackt und zu einem Tro-Tro geschleift wurde, der sich irgendwo auf einem riesigen Parkplatz voller anderer Tro-Tros befand. Da in selbigem bereits zwei Leute saßen, und auch der Preis in Ordnung ging – etwas weniger als 3 Euro für ca. 140 km Fahrt - , stiegen wir ein mit der Erwartung, dass es bald losginge. Nach wohl mindestens einer Stunde warten, wurde uns klar, dass der Fahrer erst losfährt, wenn der Tro-Tro wirklich (!) voll ist. Währenddessen wurde der Kleinbus von einer „Horde“ verkaufsinteressierter Ghanaer umlagert, so dass ich mir etwas wie in einem alten Western vorkam. Nach einer kleinen Diskussion mit dem Typen, der uns die Tickets verkauft hat, ging es dann auch endlich los.

Dieser wollte von uns weiteres Geld haben, da wir mit unseren Rucksäcken noch zwei weitere „Sitzplätze“ beschlagnahmen würden. Von wegen Sitzplätze – ich konnte mich jedenfalls nicht normal hinsetzen, da die Sitze zu eng beieinander lagen, so dass ich mich etwas seitlich drehen musste! Wir haben letztlich die Rucksäcke dem Typen gegeben, so dass er die von hinten unter die Sitze stopfen konnte, welche nach der Fahrt auch so aussahen.


So siehts im Tro-Tro aus. Tatsächlich ist es noch enger. :)

In Cape Coast selbst haben wir das Cape Coast Castle besichtigt, welches den Briten als Ausgangsort für ihre zahlreichen Sklaventransporte aus ganz Afrika zum amerikanischen Kontinent diente. Unter welch menschenverachtenden Umständen dies geschah, konnten wir einer Führung sowie der dortigen Ausstellung unternehmen. So mussten die Sklaven zu 200. in Räumen von Klassenzimmergröße teilweise mehrere Wochen unter Tage nur durch ein oder zwei winzige Löcher erhellt ausharren, um dann wie Waren gestapelt die Überfahrt anzutreten. Aufrührer wurden separiert und wurden in einem fensterlosen Raum gesperrt, wo sie verhungerten oder verdursteten.


Cape Coast Castle Innenhof


Blick auf Cape Coast

Am Abend ging es dann zu unserem „Anomabo Beach Ressort“ - einer Bungalowanlage, direkt am Meer – die Bilder sprechen für sich, wo wir den Sonntag am Strand bei ausnahmsweise richtig sonnigen Wetter verbrachten! Resultat siehe oben...



Straße nach Anomabo

Am Nachmittag sind wir, dem Bewegungsdrang folgend, nach Anomabo gelaufen, einem nahen Ort, in dem es nichts zu sehen gibt. Allerdings wurde hier einem wieder klar, wie eng der von der Hotelanlage ausgestrahlte Wohlstand und die Armut der Leute zusammenliegen. Dennoch strahlen die Leute eine Lebensfreude aus, die man so nicht vermuten würde, und bei denen wir Deutsche uns eine Scheibe abschneiden können! Fotos habe ich davon jedoch nicht gemacht. Zum einen würde das den Leuten nicht gerecht werden, und zum anderen würde ich wahrscheinlich auch nicht schnell genug weglaufen können, sobald sie das mitbekommen.

Nachdem wir die Nacht wieder im Beachressort in einem Bungalow ohne Dusche und WC, welche sich ähnlich einem Campingplatz in einem Extragebäude befanden, verbracht hatten, ging es am Montag zum Kakum Nationalpark, wo man zwar keine Tiere sehen konnte, obwohl es sogar Elefanten dort geben soll, aber dafür Hängebrücken, die zwischen den Bäumen gespannt sind, begehen konnte. Sehr eindrucksvoll trotz meiner etwas ausgeprägten Höhenangst! Aber auch wenn eine Chance bestanden hätte, Tiere zu sehen, wäre dies nicht möglich gewesen, da dem Gang über den „Canopey Walk“ sich eine Gruppe laut krakelender Ghanaer angeschlossen hatte, die nach england ausgewandert sind, und nun zum Urlaub in Ghana war. Und ob ihrs glaubt oder nicht – auch japanische Touristen waren dabei. :)





Nach einer anschließenden kleinen Wanderung mit einem Paar ebenfalls aus Deutschland.unter Leitung eines Führers, der uns einige Pflanzen und Bäume mit ihren Heilwirkungen zeigte (sahen für mich alle gleich aus), fuhren wir zurück nach Cape Coast, um mit einem STC-Bus nach Accra zu gelangen. Dieser sollte nach dem Reiseführer wesentlich billiger sein und auch mehr Platz bieten, was im ersten Fall schlichtweg gelogen war, und im zweiten nur bedingt zutraf. Jedenfalls konnte man ordentlich sitzen, weshalb ich die Fahrt auch schlafend verbrachte.

Gestern hatte Kofi Geburtstag! 32 auch wenn man es ihm nicht ansieht. :) Moritz und ich haben ihm daher einen kleinen Kuchen geholt und sind abends lecker zum „Papaey“ gegangen, wo es die besten Burger in Accra geben soll, und was ich – ohne jegliche örtliche Vergleichsmöglichkeiten zu haben – auch voll bestätigen kann! Viel besser als McD und BK! Vielleicht kann ich auch an dieser Stelle erwähnen, dass es beiderlei in Ghana überhaupt nicht gibt! Wunder geschehen... ;)


Alles, alles Gute an das heutige Geburtstagskind (er weiß schon) und bis bald!

Donnerstag, August 17

Mittlerweile bin ich jetzt schon mehr als zwei Wochen in Ghana und fühle mich, als wenn ich schon wesentlich länger hier bin. Ist schon komisch, wie sich der Mensch an eine neue Umgebung gewöhnen kann.


Am Wochenende war ich mit einigen Leuten am Kokrobitey Beach in der Nähe von Accra. Einem schönen Strand, an dem sich auch eine kleine, ähm, Übernachtungsanlage befindet, bei der wir untergekommen sind. Diese besteht aus mehreren Hütten, in denen ein paar Betten stehen, einen Deckenventilator besitzen, der zum Stromsparen am besten ausgeschaltet bleiben sollte. Auf dem Schild, welches gleich neben dem Schalter angebracht war, wurde dies so schön mit der Bitte um Rücksicht auf die knappen Energieressourcen im Land begründet.

Meine Unterkunft

Lustigerweise sieht es in der Umgebung der Anlage eher trocken aus. Die Anlage ist daher mehr als "Touristenoase" zu sehen. :)

Trotzdem gab es kein fließend Wasser, so dass man zum Duschen einen Eimer aus einem Brunnen mit Wasser benutzen konnte, das aber irgendwie zum Ambiente passte. Bei den Toiletten genau dasselbe, bis auf das, dass die Eimer schon voll waren. :)


Das "Dschungelcamp"


Am Abend gab's Pizza bei einem echten Italiener, der sich dort niedergelassen hatte, und die auch ganz gut schmeckte. Danach war in der Anlage Reggae angesagt mit einer Liveband! Sehr schön, auch wenn ich auf Dauer gut etwas schnelleren Dancehall oder ähnliches vertragen hätte.


Der nächste Tag war dann ganz dem Baden gewidmet. Außerdem konnte ich so einiges gegen mein immer noch „weißes T-Shirt“ am Oberkörper unternehmen. Leider konnte ich keine Bilder machen, da wegen der großen Diebstahlgefahr empfohlen wurde, nichts mit zum Strand zu nehmen. Und jetzt extra hin- und herzulaufen war ich etwas zu bequem. Ich hoffe, ihr seht mir das nach.


Am Strand wurde ich dann, nachdem sie nach und nach die anderen Weißen abgeklappert hatten, von einer kleinen Schar Kinder umringt. Zu meinem Leidwesen hatten sie meine Sonnencreme entdeckt, die sie zunächst für eine Duftcreme hielten, da sie eigentlich ganz gut riecht. Nachdem ich Ihnen den eigentlichen Zweck erklärt hatte, fingen sie auch an sich und dann vor allem mich einzucremen, was mir ehrlich gesagt etwas unangenehm war. Und das nicht nur, weil ich dachte, die wolen irgendwann Geld dafür. ;) Und jetzt lacht gefälligst nicht! Das war immer noch besser, als zuvor, als ein kleines Mädel eifrig dabei war, Wasser in meinen Bauchnabel zu gießen. Aber leider bin ich gegen kleine Kinder total machtlos...allerdings hatten sie dann auch schnell ein anderes „Opfer“ gefunden.


Montag war Skatabend mit Deutschen, die schon länger in Ghana sind, wozu eigentlich jeder eingeladen ist. Gastgeberin war Stephanie, die echt nette Frau von meinem Chef, und es gab auch kleine leckere Häppchen. ;)

Was mich aber etwas beeindruckt hat, war, dass das Haus von einer hohen Mauer umgeben war und dort neben dem Pförtner auch eine Köchin, Kindermädchen etc. arbeiteten. So ähnlich wie man es aus Südafrika kennt. Dies ist aber wohl typisch für alle, die länger in Ghana leben, da man letztlich ja doch unter sich bleibt und mit Hinsicht auf die Sicherheit („Denn alle Weißen sind erstmal grundsätzlich reich“) keine Risiken eingehen will.


Gestern wurde auf dem Compound, wo mehrere Praktikanten verschiedenster Länder untergebracht sind, zum Abschied von Timo gegrillt. Tja, auch hier gibt’s sowas. ;)

10.000 Cedis, etwas weniger als ein Euro. Zu sehen die 6 wichtigsten Leute im Land. Fragt aber nciht, ich habe keine Ahnung.

Diese Woche hatten wir auch im Büro Stromausfall, wobei ich nicht sagen kann, woran das lag. Jedenfalls funktionierte der Fahrstuhl nicht oder besser nicht mehr, wie man an einigen Rufen aus dem Fahrstuhlschacht feststellen dufte. Daher hatte man das Vergnügen in den 12. Stock zu Fuß die Treppen hinauf zu steigen. Ich beneide nicht die Fahrer, die die Briefe ausfahren müssen!


Da Stromausfälle doch ab und an vorkommen, verfügen die Rechner in unseren Büros über einen zwischengeschalteten Akku, so dass die Rechner bei Stromausfall nicht einfach ausgehen. Naja, bis auf einen Rechner und jetzt ratet mal, wem der gehört hat! Zum Glück speichert MS Office zwischendurch ab und an ab!


Einen netten Nebeneffekt hatte der Ausfall dahingehend jedoch, dass ich auch weiterhin zumindest am Morgen bis in den 12. Stock hochlaufe. Denn Sport ist hier eigentlich – bis auf ein überteuertes Fitnessstudio - gar nicht möglich. So laufe ich morgens zur Haltestelle, fahre zur nächsten und gehe von dort ins Büro, was zum Glück auf der Route, die ich fahren muss, ca. 15 min entfernt ist. Das wars! Zwar ist meine Kondition schon im 6. Stock arg angeschlagen, aber das wird hoffentlich besser.

Ich wünsche Euch noch eine schöne Restwoche und ein ebenso schönes Wochenende!

bis denn

Freitag, August 11

Schon wieder fast eine Woche vorbei. Mann, wie die Zeit vergeht!


War letzten Sonntag mit Moritz am Labadi Beach. Zwar muss man Eintritt zahlen, aber dafür ist der Strand auch sauber. nur hatte ich den Eindruck, dass vor allem Weiße den Eintritt auch tatsächlich zahlen mussten. Aber wir sind eben die Reichen. :) Und außerdem sind 2 Euro nun nicht wirklich viel. Lustig war jedoch die Hinfahrt. Völlig unbedarft sind wir in ein Tro-Tro eingestiegen, haben bezahlt und hofften nun, dass wir zum Strand fahren würden. Naja, bis auf das der Bus nach ca. 400 m nach links abbog und stehen blieb, da wir die Endhaltestelle erreicht hatten, verlief ja auch alles nach Plan. Super! Allerdings hatten wir so noch ein ebenfalls deutsches Mädel im getroffen, die schon einmal für anderthalb Jahre in Ghana als Praktikantin in einem Hilfsprojekt für Kinder gearbeitet hatte und nun zu Besuch wieder hier ist und etwas herumreist. Sie konnte uns daher einiges über das Land erzählen und auch ein paar Tipps für kurze Trips geben.


So zum Beispiel hat sie uns erzählt, warum an dem Strand nur an einer Stelle in einem Abstand von 40 m zwei Fahnen aufgestellt sind, zwischen denen die Ghanaer baden dürfen. Denn der Grund ist, dass die Ghanaer in der Mehrheit Nichtschwimmer sind! Deshalb ging wohl auch keiner weiter als bis zur Hüfte ins Wasser. Trotzdem sehr lustig anzuschauen – ein ewig langer Strand und nur an einer Stelle drängen sich die Leute als riesiger Pulk. :)


Am Dienstag war ich mit Kristian und Simon sowie Praktikanten anderer Institutionen, darunter auch Kanadier und Amerikaner, Pizza essen. Echt lecker! Fast so wie eine kleine Heimreise. ;) War aber am Mittag des folgenden Tages noch immer satt! Wunder geschehen, was?!

An diesem Tag habe ich es auch endlich einmal geschafft, mit dem Tro-Tro zurück zu fahren. Zwar habe ich eine Ewigkeit gebraucht, den richtigen Bus zu finden, da mich die Leute ständig von einer zur anderen Seite geschickt haben – mit mir kann man es ja machen, aber schließlich hatte ich den richtigen gefunden und zurück ging es...und ich habe diesmal keinen auf den Fuß getreten oder meinen dicken Hintern ins Gesicht gedrückt!

Mittwoch und Donnerstag fanden dann die beiden Workshops zum Thema: „Steueranreize“ statt. Auch wenn ein Großteil an mir vorbeiging, war es doch sehr interessant! Außerdem durfte ich am Mittwoch das Eröffnungsgebet halten, was hier so Sitte ist. Und das ich, als alter Atheist. :)

Anschließend gab es Buffet, wobei ich mich etwas geärgert hatte: Extra den Tag kaum was gegessen, um das Buffet mit voller Angriffsstärke angehen zu können, haben die total wenig aufgefahren! So was! Und dabei hatte ich echt Hunger.

Gestern waren wir noch kurz auf dem Dach des Heritage Towers, dem Ort, wo ich arbeite, um Alexander – dem deutschen Dozenten aus München, der für die Workshops hierher kam, die Stadt im Überblick zu zeigen. Ein paar Eindrücke von oben gibt es nachfolgend.





...und wenn ich gar nicht mehr weiter weiss... ;)

Was mir gerade einfällt: Gestern abend war ich zu hause und habe mit Kofi Fernsehen geschaut. Irgendein nigerianisches (das weiß ich auch nur, weil Kofi mir das erzählt hat) Liebesdrama. Und das bei einer heißen Schokolade auf der Couch. Konnte mir innerlich ein Grinsen echt nicht verkneifen. Der Film war – selbst für mich als gelegentlicher oder besser eher seltener (!) Vorabendseriengucker- totaler Schrott. Muss dabei hinzufügen, dass die Filme hier echt laienhaft gemacht sind, und irgendwie nur Liebesschnulzen zu laufen scheinen. Bis auf CNN hat Kofi auch nur ghanaische Sender, womit Fernsehen sich erübrigt hat.


Ansonsten alles wie gehabt. Irgendwie habe ich aber immer noch nicht wirklich realisiert, dass ich für die nächsten drei Monate, was meines Erachtens immer noch zu kurz ist, hier bin. Ich fühle mich vielmehr, als wäre ich im Urlaub. Aber vielleicht kommt das noch. Wir werden sehen...


Vielleicht noch zum Thema Kulturschock. Bis auf gelegentliche Stromausfälle bei Kofi und leider nur kaltem fließenden Wasser fehlt einem eigentlich nichts zum Leben. Außerdem ist Accra selbst eher westlich angehaucht, so dass man nicht völlig in eine neue Welt eintaucht. Klar, vor allem etwa vom Heritage-Tower aus sieht man, wie eng Armut und Reichtum beieinander liegen. Dennoch sieht man hier kaum Bettler auf der Strasse. Ich muss jedoch zugeben, dass ich in den wirklich armen Gebieten noch nicht gewesen bin. Sollte man auch eher vermeiden.


Zwar sind Überfälle sind so häufig, wie man denkt. Doch kommen diese vor. Soweit ich gehört habe, sind in den letzten drei Monaten auch nur wirklich zwei schlimme Sachen passiert. So wurde bereits an seinem zweiten Tag ein Deutscher ausgeraubt und als er den Leuten hinterher laufen wollte, damit sie ihm wenigstens seine Wohnungsschlüssel geben würden, müssen diese das falsch verstanden haben und ihm ein Hozbrett ins Gesicht gehauen haben, so dass seine untere Zahnreihe über mitgenommen wurde. Er flog dann auch gleich wieder zurück nach Deutschland.

Zum anderen wurde Timo, einem Deutsch-Holländer, der irgendwie in Amerika lebt und echt gut drauf ist, grundlos mit einem Messer bei einem Überfall ins Gesicht geschnitten, so dass dies genäht werden musste. Keine schöne Sache!

Aber ich kann jetzt nicht sagen, ob man das generalisieren darf. Jedenfalls sollte man immer aufpassen und Risiken nicht völlig ignorieren. Aber eben auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen, da dies wohl sonst einem die ganze Stimmung kaputt macht. Ich denke, ich versteht schon, worauf ich hinaus will.


Bis denn

Hans

Montag, August 7

Hallo allerseits,

da ich in der vergangenen Woche leider nicht dazu gekommen bin, schon etwas zu schreiben, versuche ich einfach mal die wichtigsten Dinge zusammenzufassen.


Zuerst: Mir geht es gut. Naja, bis auf den Durchfall, aber das wird schon.


Der Flug mit der KLM von Berlin Tegel aus gestaltete sich als relativ unproblematisch, auch wenn ich beim Wechsel des Flugzeugs in Amsterdam es wieder mal geschafft habe, meine Jacke auf der Toilette zu vergessen! Zum Glück habe ich es zum einen noch rechtzeitig gemerkt, und zu anderen hatte die Putzfrau die Jacke bei der Information abgegeben. Puh...




Letzte Möglichkeit alles abzublasen.


Auf dem Amsterdamer Flughafen selbst hatte ich fünf Stunden Aufenthalt, die sich endlos hinzogen, auch wenn ich versucht habe, irgendwie zum schlafen zu kommen, da ich zu dem Zeitpunkt bereits seit Montag früh nicht geschlafen hatte. Jedenfalls verließ ich den Flughafen mit ein paar Zeitschriften mehr, was sich jedoch dadurch ausglich, dass ich bereits 80 % aller essbaren Sachen, die mir meine Mutter mitgegeben hat, aufgegessen hatte. :)


Ach ja: Ratet mal, woher ich wusste, ohne nochmal nachzugucken, dass ich am richtigen Gate bin. Na? Komme mir jedenfalls jetzt schon wie'n Zuckerwürfel zwischen lauter Kakaobohnen vor. Obwohl Kaffeebohnen es besser trifft. Ich weiß, der Unterschied mag marginal erscheinen. :) Aber mal schauen.


Am Flughafen in Accra, der Hauptstadt Ghanas, wurde ich von einem Mitpraktikanten abgeholt und zu meinem Vermieter Kofi Kevin gebracht, dessen Haus tatsächlich nur ca. 50 m vom Meer entfernt ist. Allerdings ist der Strand dermaßen zugemüllt, dass an Baden nicht zu denken ist. Außerdem habe ich das Glück (?), dass im Moment die kälteste Zeit im Jahr ist mit ständig bewölktem Himmel und milden 26 Grad.



Kofis Haus, meine Unterkunft für die nächste Zeit

Noch einmal kurz zu dem Vornamen meines Vermieters. Soweit ich mitbekommen habe, ist es hier typisch, dass im christlichen Teil jeder Ghanaer neben seinem ghanaischen Namen einen christlichen annimmt. Und falls euch der Name Kofi bekannt vorkommt, habt ihr recht! Auch Kofi Annan kommt aus Ghana. Dabei gibt es bei den Vornamen die Besonderheit, dass er sich nach dem Wochentag richtet, an dem derjenige oder diejenige geboren wurde. So steht Kofi, für die am Freitag geborenen. Vielleicht komme ich aber noch zu einer kompletten Liste.



Kofi, mein "Landlord"

Neben mir wohnt noch Moritz hier, ein weiterer Deutscher, der in Berlin Politik studiert und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung ein Praktikum bekommen hat.

Ich selbst arbeite als Praktikant bei der GTZ, der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, genauer dem RMS-Projekt, dem Revenue Mobilisation Support. Dieser beschäftigt sich mit der Untersuchung und Verbesserung des hiesigen Steuersystems bzw. Steueraufkommens.

Bei dem RMS-Projekt sind neben mir noch vier weitere Praktikanten (Katja, Heiko, Kristian und Simon) die auch schon länger hier sind und jeweils an einem unterschiedlichen Projekt innerhalb des RMS mitarbeiten.

Zur Arbeit selbst komme ich entweder mit Taxi, was ca. 2 Euro pro Fahrt kostet, oder mit dem Tro-Tro, einem Kleinbus, in denen sich alle wahnsinnig zusammenquetschen müssen. Nichts für Leute mit Platzangst! Dafür kostet er auch nur ca. 10 Cent bis 30 Cent. Aber es kann schon passieren, dass, wie mir etwa, man sich öfters an der Decke des Busses beim Ein- und Aussteigen stösst.

Die erste Woche bei dem RMS bestand neben der ersten Eingewöhnung vor allem aus dem Schreiben von Einladungen für den kommende Woche stattfindenden Workshop zum Thema: „Steueranreize“. Dieser findet einmal am Mittwoch im großen Rahmen in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Industrieverband (AGI) und der Friedrich-Naumann-Stiftung statt. So kommen u.a. der Finanzminister, der Deutsche Botschafter, der Steuerexperte Alexander Rust aus München (als ich seinen Lebenslauf gelesen hatte, kam ich mir richtig klein vor *g*) sowie die ganze Presse. Klingt nach Buffet. :)

Am Donnerstag wird dieser Workshop dann noch einmal im kleinen Rahmen intern durchgeführt.

Allerdings habe ich festgestellt, dass mein Englisch mehr als miserabel ist. Ich hoffe nur, dass wird besser!

Gestern war ich zum ersten Mal auf dem größten Markt in Accra – dem Makola Market. Riesig! Und da gibt’s wirklich fast alles. Nur kaufen würde ich einiges garantiert nicht da. So wird das Fleisch nicht etwa in Kühltruhen zum Verkauf angeboten sondern einfach so auf einem Teller. Und das bei dem Wetter!

Makola Markt (Aussenbereich, drinnen wirds schlimmer :) )


Aber trotz aller Vorsicht mit dem Essen kommt man nicht darum herum, zur Anfangszeit öfters das Klo besuchen zu müssen, da sich der Magen erst an das Essen hier gewöhnen muss. Aber dafür wird hier relativ scharf gegessen, was mir sehr entgegen kommt. Doch zum Glück hat es mich nicht so schlimm erwischt wie Moritz, der vorgestern und gestern teilweise noch mit Fieber im Bett lag.

Ach so,ehe ich es vergesse: habe gestern meine Wäsche komplett mit der Hand gewaschen, und das ist verdammt anstrengend! Ich hatte sogar eine kleine Blase an der einen Hand von der Waschbürste. Anschließend war noch Bügeln angesagt, da es schon vorgekommen sein soll, dass beim Trockenen der Wäsche draußen irgendwelche Fliegen ihre Eier in die Kleidung abgelegt haben, die dann in die Haut eingedrungen sind, wo dann Larven geschlüpft sind. Aber das habe ich eben nur gehört. Doch sicher ist sicher! Zudem dürfte es meine Mutter freuen, wenn ich endlich mal ständig bügeln muss. Und ihr glaubt gar nicht, wie schön sich das ganze Stapeln lässt. Selbst die Socken liegen jetzt jederzeit griffbereit im Schrank. :)



Der Beweis!


So, aber erstmal genug. Das ganze hat eh schon länger gedauert, als ich dachte. ;)


Bis denn